REKORD · 5 Min. Lesezeit

Bolt läuft 35 km/h – der schnellste Roboter der Welt ist jetzt schneller als Usain Bolt

Ein chinesisches Startup hat mit Bolt einen humanoiden Roboter gebaut, der 22 Meilen pro Stunde – also 35 km/h – erreicht. Der schnellste Mensch aller Zeiten lief 44,7 km/h. Aber kein Mensch kann dieses Tempo stundenlang halten. Ein Roboter schon.

RZ
TheRoboAge Team
Redaktion · 19. Feb 2026
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SCHNELLFAKTEN

  • Hersteller: MirrorMe Technology (gegründet 2016, China)
  • Rekordgeschwindigkeit: 22 mph (35,4 km/h) – gemessen in echter Testumgebung
  • Größe: 170 cm, Gewicht: 75 kg – menschliche Proportionen
  • Usain Bolts Weltrekord: 44,7 km/h – aber nur für ~1 Sekunde auf 100m-Rekord
  • Durchschnitts-Sprinter auf 100m: ~26 km/h
  • Geplante Anwendung: Trainingspartner für Elite-Athleten, Bewegungsanalyse

Was ist passiert – und warum ist es so eine große Sache?

Ein chinesisches Robotik-Unternehmen namens MirrorMe Technology hat ein Video veröffentlicht, das die Robotikwelt auf den Kopf stellt: Ihr humanoider Roboter Bolt sprintet mit 22 Meilen pro Stunde durch eine Testhalle. Das sind 35,4 Kilometer pro Stunde.

Zum Vergleich: Der durchschnittliche Mensch joggt mit etwa 10–12 km/h. Ein gut trainierter Hobbysportler kommt beim Sprinten auf 20–25 km/h. Und Usain Bolt, der schnellste Mensch, den die Erde je gesehen hat, erreichte im Jahr 2009 auf einem kurzen Streckenabschnitt seines 100-Meter-Weltrekord-Laufs eine Spitzengeschwindigkeit von 44,7 km/h – für weniger als eine Sekunde.

Bolt der Roboter läuft 35 km/h. Und das nicht kurz. Theoretisch so lange, bis der Akku leer ist.

GESCHWINDIGKEITSVERGLEICH

Usain Bolt (Weltrekord-Spitze)44,7 km/h
Bolt Roboter (Dauerhaft)35,4 km/h
Gut trainierter Hobby-Sprinter~25 km/h
Jogger~12 km/h

Wie schafft ein Roboter das – ohne hinzufallen?

Das klingt einfach, ist es aber nicht. Schnell laufen ist für Roboter extrem schwierig. Der Grund: Bei hohen Geschwindigkeiten gibt es Momente, in denen beide Füße gleichzeitig in der Luft sind – der Roboter "fliegt" kurz. Das ist beim Menschen beim Sprinting ganz normal. Für einen Roboter ist es eine hochkomplexe Balanceaufgabe.

MirrorMe hat einen ungewöhnlichen Ansatz gewählt: Bolt macht schnellere, kürzere Schritte statt längere Schritte wie ein Mensch. Die höhere Schrittfrequenz gibt dem Steuerungssystem mehr Zeit, zu reagieren und die Balance zu halten. Statt langer Sprünge viele kleine, präzise Bodenkontakte.

Dahinter steckt jahrelange Arbeit an "dynamischer Balance" – dem Kunstflug, mit dem ein System in Bewegung stabil bleibt. Das Unternehmen hat sich seit seiner Gründung 2016 fast ausschließlich auf dieses Problem fokussiert.

Wer ist MirrorMe Technology – und warum kennt sie kaum jemand?

MirrorMe ist eines der vielen chinesischen Robotik-Startups, die international kaum Aufmerksamkeit bekommen, aber technisch ganz vorne mitspielen. Das Unternehmen hat seinen Fokus seit fast einem Jahrzehnt auf eines gelegt: Hochgeschwindigkeits-Lokomotion, also die Fähigkeit, sich schnell und stabil zu bewegen.

Das ist ein anderer Ansatz als bei den bekannten Playern. Tesla Optimus optimiert für Fabrikarbeit (Präzision, Ausdauer). Figure und Agility Robotics für Logistik (Laufen, Heben, Tragen). MirrorMe fragt: Wie schnell kann ein Roboter sein? Die Antwort ist jetzt beantwortet.

Wozu braucht man einen Roboter, der so schnell läuft?

Hier wird es interessant – und überraschend. MirrorMes primäre Zielgruppe für Bolt sind zunächst nicht Fabriken oder Lager, sondern Elite-Sportler. Ein Roboter, der neben einem Weltklasse-Sprinter herläuft, der nicht ermüdet, der exakte Schritttechniken analysiert, der mit Kameras Bewegungsabläufe in Echtzeit aufnimmt – das hat realen Trainingswert.

Mittel- und langfristig sind die Einsatzgebiete aber wesentlich breiter:

Ist der Rekord echt – oder Marketing?

Das ist die berechtigte Frage, die sich jeder stellen sollte. MirrorMe hat das Video auf X (vormals Twitter) veröffentlicht. Das Unternehmen betont ausdrücklich: Keine CGI, keine Simulation. Das Filmmaterial zeigt einen echten Roboter in einer echten Testhalle.

Unabhängige Verifikation durch Dritte gibt es noch nicht. Das ist bei solchen Ankündigungen üblich – Boston Dynamics hatte ähnliche Diskussionen, bevor Atlas sein erstes Parkour-Video veröffentlichte. Die Community diskutiert die Videos, und bisher hat niemand technische Inkonsistenzen gefunden, die auf Manipulation hindeuten.

Der frühere Rekordhalter war übrigens Unitrees G1 mit knapp 20 km/h. Bolt überbietet das um fast 80%.

Was das für die gesamte Robotik-Branche bedeutet

Geschwindigkeit ist nicht das wichtigste Kriterium für nützliche Roboter – das ist klar. Aber Rekorde wie dieser verschieben, was die Community für möglich hält. Vor zehn Jahren konnten humanoide Roboter kaum eine Treppe hochsteigen. Heute sprinten sie schneller als die meisten Menschen.

Die technischen Lösungen, die für Hochgeschwindigkeit entwickelt werden – Schrittfrequenz-Optimierung, dynamisches Gleichgewicht, Antriebssysteme – fließen direkt in kommerzielle Anwendungen ein. Schnellere Roboter bedeuten auch robustere Roboter. Und das wiederum bedeutet zuverlässigere Einsätze in Fabrik und Logistik.

Der nächste Schritt für MirrorMe: Die Technologie aus der Testhalle in reale Umgebungen bringen. Unebenes Gelände, Hindernisse, Wind. Der Weltrekord ist gesetzt. Das Spiel hat gerade erst begonnen.

Häufige Fragen

Ist Bolt wirklich schneller als Usain Bolt?

Nein – Usain Bolt der Mensch lief im Weltrekord kurz 44,7 km/h. Bolt der Roboter erreicht 35,4 km/h. Aber: Usain Bolt kann diese Geschwindigkeit nur für Bruchteile einer Sekunde halten. Der Roboter kann sein Tempo theoretisch dauerhaft aufrechterhalten. Im Ausdauer-Direktvergleich würde der Roboter jeden Sprinter der Welt irgendwann überholen.

Wann ist Bolt kaufbar?

MirrorMe hat noch keinen kommerziellen Launch-Termin bekanntgegeben. Das Unternehmen ist noch in der Forschungs- und Entwicklungsphase. Erste Kooperationen im Sportbereich sind angekündigt, aber ein Massenmarktprodukt ist Bolt derzeit nicht.

Warum läuft der Roboter anders als ein Mensch?

Bolts Schritttechnik unterscheidet sich von menschlichem Sprinten: kürzere Schritte, höhere Frequenz. Das liegt an den physikalischen Unterschieden – ein Roboter hat andere Gelenke, andere Gewichtsverteilung und vor allem keine Muskeln, die "gezündet" werden müssen. Die Optimierung passiert dort, wo der Roboter seine Vorteile hat: Präzision und Kontrolle.

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